"Cascadeur" und das "Making of" des Kinofilms
Nur mit der Unterstützung von erfahrenen Tauchern war es möglich, ein Filmprojekt mit actionreichen Szenen unter Wasser zu verwirklichen. Der Cascadeur ist eine deutsche Filmproduktion und kommt im Herbst neu in unsere Kinos. Olaf Götsch, ein erfahrener Technical-Diver war mit der taucherischen Abwicklung und Schauspieler-Betreuung beauftragt und berichtet von seinen Erlebnissen bei dieser Filmproduktion.
Die neue Deutsche-Film-Actionwelle fordert Mut und körperliche Fitness.
Ein schönes Gesicht und Talent reichen heute nicht mehr. Körperliche
Fitness und eine enorme Einsatzbereitschaft sind gefragt.
Für die beiden Hauptdarsteller, in dem neuesten Deutschen Actionfilm "Cascadeur",
Regula Grauwiller und Hardy Martins, war es eine klare Sache, dass möglichst
alles selbst gespielt werden sollte. Die Dreharbeiten zu dem Film "Cascadeur"
liefen seit Frühjahr 1997.
Hardy Martins Hauptdarsteller, Regisseur und Mitdrehbuchautor verwirklicht mit
diesem Actionfilm eine langgehegte Idee, die sich hinter seinem Vorbild - James
Bond nicht zu verstecken braucht. Martines konnte den bekannten Schauspieler
Heiner Lauterbach dazu bewegen eine Hauptrolle in seinem Film anzunehmen. Heiner
Lauterbach spielt einen russischen Oberst, der den beiden Filmfiguren Christine
(Regula Grauwiller) und Vincent (Hardy Martins), die auf der Suche nach dem
im Zweiten Weltkrieg verschwundenen Bernsteinzimmer sind, in die Quere kommt.
Grundsatz für alle spektakulären Stuntszenen war, dass so wenig wie
möglich gedoubelt wird und möglichst an Originalschauplätzen
gedreht wird.
Einige Filmsequenzen sollten sich dabei unter Wasser abspielen.
Eine russische Transportmaschine Marke "Antonov" mit einem Unimog-LKW
an Bord, stürtzt in einen See. Dies sollte so naturgetreu wie möglich
gedreht werden.
Mit dieser schwierigen Aufgabe wurde Max Bestle, ein renomierter Unterwasser-Kameramann,
beauftragt. Harald Zeller, Chef des Allgäuer Taucherhofs, wurde mit der
taucherischen Planung und Durchführung beauftragt und sollte ein Team zusammenstellen,
das die Unterwasserarbeiten und Sicherung der Schauspieler übernahm.
Da man mit 4 Stunden täglicher Unterwasserarbeit rechnete und das über
mehrere Tage bei Tauchtiefen zwischen 5 und 10 Meter, wurde Olaf Götsch,
als erfahrener Mischgastaucher, mit der Unterwasserarbeit beauftragt. Die Aufgabe
war es, die Vorgaben unter Wasser umzusetzen und die Hauptdarsteller zu sichern.
Als erstes wurden die einzelnen Sequenzen an Hand eines Storyboards besprochen
und die maximale Tiefe von 2,50 Meter festgelegt, damit die Schauspieler, die
keinerlei Unterwassererfahrung haben, es nicht ganz so schwer haben sollten.
Mit einem 40 Tonnen Kran mußte der Unimog in eine Steilwand gestellt werden.
Die Vorgabe war, dass der Unimog einen bestimmten Neigungswinkel haben muß
und das Flugzeug sich darüber befinden sollte.
Ein Handicap war: Die Schauspieler hatten keinerlei Taucherfahrung und die Wassertemperatur
betrug nur 16°C.
Eine Szene gestaltete sich als besonders schwierig. Vincent muß alleine
aus dem Flugzeugwrack zur offenen Heckklappe und dann zum Unimog tauchen, natürlich
ohne Flossen und Maske und mir Kleidern. Dies ist für einen normalen Taucher
schon relativ schwierig, aber für jemanden der eigentlich mit Wasser nichts
zu tun hat, eine schon fast unlösbare Aufgabe. Hardy Martins atmete am
Octupus und tauchte so die Strecke ab. Nachdem dies eigentlich gut geklappt
hatte, probierte man die erste Strecke ohne Lungenautomat. Auf der anderen Seite
wartete ein Taucher auf Hardy (Vincent) und tauchte mit Hardy zur Ausgangsposition
zurück.
Es war nun klar, wenn Hardy diese schwierigste Szene allein tauchen konnte,
dann dürften dann dürften bei den anderen Szenen auch keine Probleme
mehr zu erwarten sein.
Es waren aber auch Unterwasser-Stunts geplant für die bereits Double vorhanden
waren. Hardy Martins, der von Beruf eigentlich Stuntman ist, aber seither mit
Wasser nichts zu tun hatte, meinte "Wasser ist nicht so mein Fall, und
unter Wasser schon gar nicht".
Trotzdem steigerte er sich während der "takes" und spielte seine
Rolle als Vincent, der seiner Partnerin Christine unter Einsatz seines Lebens
aus dem versunkenen Unimog hilft, unwahrscheinlich gut. Eine wichtige Entscheidung
mußte nun getroffen werden, sollen die Stunts von den Hauptdarstellern
selbst gespielt werden oder müssen die Doubles eingesetzt werden.
Regulla und Hardy waren bereit, die Stunts selbst zu machen. Dies freute natürlich
auch Max, den Kameramann, weil er nun alles im Nahbereich filmen konnte und
die Hauptdarsteller dadurch deutlich zu erkennen sind.
Der erste Stunt sah vor, dass Hardy von einer Tragfläche begraben wird,
erst in letzter Minute kann er sich drehen und von der Druckluftbremse einen
Schlauch abreißen und daraus atmen.
Der Schauspieler wurde eingelernt, wie man unter Wasser aus einem abgerissenen
Schlauch atmet. Nachdem es an der Oberfläche gut funktionierte, gingen
beide ins Wasser, um es dort zu versuchen und er kam auf Anhieb erstaunlich
gut zurecht.
Nach dem Auftauchen sagte Hardy:"In Zukunft könnt ihr euch die Lungenautomaten
sparen, wir nehmen nur noch Schöäuche mit." Nun gab es nur noch
ein Problem: Die Kameraeinstellung ließ keine unmittelbare Absicherung
zu. Dieses Problem wurde mit einer kleinen Tauchflasche gelöst, die so
positioniert war, dass Hardy sie jederzeit erreichen konnte. Regulla musste
einen Notaufstieg aus 12 Meter Tiefe simulieren. Das sieht im ersten Moment
vielleicht nicht sehr schwer aus. Da sie aber ihr Blei nicht abwerfen konnte
(dies ohne Maske und Flossen) und zuerst etwa 5 Meter horizontal und danach
senkrecht über die Steilwand und dem Flugzeugwrack an die Oberfläche
schwimmen musste, war die Aufgabe nicht einfach. Die Absicherung war auch sehr
schwierig, da niemand unmittelbar in ihrer Nähe sein konnte. Aber Regulla
bewältigte diese Aufgabe souverän. Sie musste diese Situation etwa
5mal hintereinander spielen. Eine weitere schwierige Aufgabe hatte Regulla,
als sie im Unimog eingeschlossen, der eine Schräglage von ca. 90° aufwies,
in Panik von der Beifahrerseite zur Fahrerseite wechseln musste. Für diese
Szene war Regulla oft 20 Minuten im Unimog eingeschlossen und musste die Kälte
aushalten bis sie einer der zwei Sicherungstaucher an die Oberfläche brachte.
Trotz des imensen technischen Aufwands und des Einsatzes eines zwanzigköpfigen
Filmteams war die Tagesausbeute nicht mehr als 5-10 Minuten belichteter Film.
Mit halben Sachen aber wollte sich das Filmteam, das teilweise schon bei James
Bond mitgearbeitet hatte, nicht abgeben.
Für die Crew ist "Cascadeur" ein Renommierobjekt. Die meisten
machen hier einen Job, der weit mehr Verantwortung und Kompetenz mit sich bringt
als ihre bisherigen. So viel Begeisterung hat natürlich auch die letzten
Zweifler am Set vom Erfolg des Films überzeugt. Wir können wirklich
auf den Film und die hoffentlich gelungenen Unterwasserszenen gespannt sein.
Bilder zum "Making of" dieses Kinofilms sehen Sie in unserer Photoshow